Eine Schlammschlacht von einem Wahlkampf

Bis wann kann man einen Wahlkampf eigentlich noch als solchen bezeichnen? Diese Frage musste man sich über die letzten Wochen tatsächlich nicht selten stellen. Denn wie oft wurde wirklich über Inhalte geredet und nicht darüber, ob jemand ungünstig gelacht oder in einem Buch ein paar Zeilen entwendet hat? Richtig. Ziemlich selten. So selten sogar, dass es oft im Internet einzig darum ging, sich über die ungünstigen Formulierungen lustig zu machen und das Wahlprogramm völlig außer Acht gelassen wurde. Kann das eine gesunde Entwicklung sein?

Die Antwort auf diese Frage lautet sicherlich „nein“, jedoch sieht man vergleichbare Zustände nicht erst seit gestern, sondern mindestens seit der vorletzten US-Wahl 2016. Auch hier gewann man nicht mit Daten, Konzepten und politischer Überzeugungsarbeit, sondern einer fetten Schlammschlacht. Durch die Digitalisierung ist alles so extrem schnelllebig geworden, dass es nur noch darum geht, wer sich am meisten lächerlich macht oder dabei die meiste Sympathie einstreicht. Auch ist aber klar geworden, dass mittlerweile fast niemand mehr wirklich daran gewinnen kann. An Scholz sieht man im Gegenteil eher, dass man komplett ohne Handeln sogar am besten aufgehoben ist.

Kein Erbarmen für Wunschkanzler- und kanzlerinnen

Und selbst dieser konnte nicht durchhalten und wurde am Ende doch noch überrollt. Angeführt vor allem auch durch Social Media, aber auch die Medienlandschaft. Während linke Zeitungen und Online-Portale vor allem gegen Armin Laschet wetteten, taten es anders aufgestellte Publikationen wie Bild umso mehr gegen die Grünen. Social Media konnte dann zuletzt auch Scholz entthronen, vor allem mit alten Vergehen, aber dann auch mit seiner Äußerung über die Geimpften, worin er behauptete, dass man ja sozusagen „Versuchskaninchen für Nicht Geimpfte“ wäre. Das wurde später von Angela Merkel konkret noch einmal aufgegriffen, um wieder Werbung für die CDU zu machen. Im Wahlkampf wird allen an den Karren gepisst, selbst, wenn man mit den gleichen Menschen vorher vier Jahre in der Regierung tätig war und die Person sogar als Minister ins Team geholt hatte.

Dieser Trend scheint auch nicht einfach zu verpuffen, im Gegenteil – er fängt gerade erst an. Personenkult, ungeachtet, was dahinter steht. Am Ende hilft bei so einem Denken dann auch kein alles bereinigender Wahl-O-Mat mehr – dieser kann maximal ein Tropfen auf den heißen Stein sein, wenn es um das tatsächliche Wahlprogramm geht.

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Mr. T

Ich freue mich schon, wenn diese Schlammschlacht mal ihr Ende nimmt, persönlich hoffe ich auch, dass bei zukünftigen Wahlen, auch mehr auf die Politik eingegangen wird im Wahlkampf, als so eine Schlammschlacht zu machen, die meines Empfindens nach ziemlich lächerlich ist, aber wenigstens für einen guten Lacher gut ist.

Mr. T

Das natürlich auch, am Ende ist es eher traurig, statt ein guter Lacher. Man kann nur hoffe das dies sich irgendwie ändern möge, sonst wäre es ein Jammer