Tempolimit: Weltweiter Standard oder Freiheitseinschränkung?

Das Tempolimit ist diesen Bundestagswahlkampf nicht nur Streitthema Nummer eins, sondern zeigt auch sinnbildlich, welchen Weg die einzelnen Parteien verfolgen. Für die einen ist es eine sinnvolle Sofortmaßnahme gegen den Klimawandel, für die anderen ist es nicht mehr und nicht weniger als Freiheitsberaubung.

Wie so oft in der Politik ist die Antwort jedem selbst überlassen, ich jedenfalls bin für ein Tempolimit.

Klimaschutz

Der Klimaschutz wird oft als Argument für das Tempolimit in den Ring geworfen, meistens vonseiten der Grünen. Viele Gegner des Geschwindigkeitslimits meinen allerdings, dass es uns vergleichsweise wenig CO2-Ersparnisse einbringen würde.

Das Umweltbundesamt hat ausgerechnet, dass 1,9 Millionen Tonnen CO2 durch eine Geschwindigkeitsbegrenzung 130 eingespart werden würden. Im Vergleich, allein letztes Jahr produzierte der gesamte deutsche Verkehr 146 Millionen Tonnen CO2. Das bedeutet, dass eine Tempobegrenzung gerade mal ein Siebenundsiebzigstel des produzierten CO2 im letzten Jahr einsparen würde, was das Argument der Tempolimit-Gegner, dass es nicht viel für den Klimaschutz bringen würde, standhaft im Raum stehen lässt. Trotzdem heißt es aus dem Umweltbundesamt, dass ein Tempolimit einen guten Beitrag leisten könne, da es praktisch sofort wirke.

Dazu muss man jedoch klar sagen, dass in den meisten anderen Staaten das Tempolimit nicht aus Klimaschutz-Gründen eingeführt wurde.

Verkehrssicherheit

Je langsamer das Tempo auf der Autobahn, desto weniger Verkehrstote. So werden die meisten Argumente, die positiv gegenüber dem Geschwindigkeitslimit sind, gestrickt. Viele Gegner hingegen meinen, dass die Autobahn ohnehin schon Deutschland sicherster mit dem Auto befahrbarer Verkehrsweg wäre, was faktisch belegbar ist, allerdings heißt es nicht, dass man deswegen alles stehen und liegen lassen sollte, weil es ohnehin schon „sicher genug“ ist.

Zum Beispiel benennt Michael Mertens, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in NRW, dass Experten meinen würden, dass eine Tempobegrenzung 80 Menschenleben jährlich retten könne. Auch der Spiegel kommt mit 140 Leben zu einem ähnlichen Ergebnis. Dazu kommt, dass sich die Aufprallgeschwindigkeiten bei Unfällen verringern würden und es somit auch zu weniger schwer Verletzten kommen würde.

Fazit

Für mich scheint ein Tempolimit schlüssig, nicht, weil es ein vorbestimmter weltweiter Standard ist, sondern aufgrund von Vorteilen im Bereich des Klimaschutzes und der Verkehrssicherheit. Der ADAC und der VDA hingegen sprechen sich gegen ein Tempolimit aus, das BMVI dafür. Ob es nun ein weltweiter Standard ist, oder eine Freiheitseinschränkung, ist jedem selbst überlassen.

Über Orest 1 Artikel
Aus irgendeinem Grund ist das Klimathema plötzlich ein weltweites Thema geworden.
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Kommentare
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen